14.06.2010

52. 100 km Lauf in Biel/CH 11.06.2010

Den Ausschlag für die Teilnahme gab ein Mail zwischen Ralf Weis, bester deutscher Teilnehmer der WM, und mir, in welchem wir beide den Start in Erwägung zogen. Zwei Tage vorher hatten wir uns dann entschieden den Lauf als Training ohne große Ambitionen auf eine gute Zeit absolvieren zu wollen. Wir beide hatte in den letzten 4 Wochen eigentlich kaum große Lust auf Training. Jens hat sich wieder als Fahrradbegleiter zur Verfügung gestellt und auch die Anmeldung übernommen, so dass wir uns am Freitag Abend um nichts mehr kümmern mussten. Selbst mit einem großen Topf Pasta und Fertigsauce hat er uns noch zwei Stunden vor dem Start bei sich zu Hause verwöhnt. Am Start um 22.00 Uhr trafen wir viele bekannte Gesichter und dann ging es auch schon los, zuerst einige km durch die Innenstadt von Biel und schon bald in die Dunkelheit.


Ab km 33 hat uns Jens als "COACH" begleitet, auch wenn wir kaum seine Unterstützung brauchten war es doch beruhigend zu wissen das jemand da ist der einem schnell helfen könnte. Und für ihn war es auch gut, hat er sich doch seit langem wieder mal an der Luft körperlich betätigt. Die Bedingungen waren fast optimal, einzig die in der Nacht hohe Luftfeuchtigkeit und Wärme, sowie der an einigen Stellen starker Gegenwind hätten nicht sein müssen.




Ralf und ich liefen die 100 km fast immer zusammen und konnten uns insbesondere auf den letzten 20 km immer wieder gegenseitig motivieren.

Unsere Platzierung: Platz 47 und 48 in 9:14,54 bei 1260 Läufer/innen im Ziel

17.05.2010

24 h Weltmeisterschaft in Brive / FRA  13/14.05.2010

Dienstag 11.05 fast das gesamte deutsche Team trifft sich in Schopfheim oder in Basel am Bad Bahnhof zur Weiterfahrt nach Frankreich. Mit zwei Kleinbussen treten wir die ca. 700 km lange Reise nach Brive an. Für mich gab es jedoch schon in der vorausgehenden Nacht ein böses Erwachen. Ich werde wach, es kratzt im Hals, für mich ein untrügerisches Zeichen, eine Grippe kündigt sich an. Ausgerechnet jetzt, schnell im Internet auf der Homepage der Antidopingagentur (NADA) nachschauen welche Mittel erlaubt sind. Heike besorgt in der Apotheke Lutschtabletten und ich trinke Limettentee mit Honig bis er wieder zu den Ohren rauskommt. Ausgerechnet jetzt, doch es sind noch zwei Tage bis zum Start, die Hoffnung stirb zuletzt.

Nach ca. 9 Stunden Fahrt erreichen wir unser ETAP-Hotel in Brive, nicht gerade Luxusklasse, aber wir sind ja nicht für einen Wellnessurlaub hierher gekommen. Nach einem schnellen Abendessen wird noch eine kurze Teambesprechung abgehalten um den Ablauf des nächsten Tages zu besprechen. Das Wetter zeigt sich nicht von seiner besten Seite, fast keine Stunde ohne starke Regenschauer. Meine Halsschmerzen sind nicht besser aber auch nicht schlechter geworden, dafür läuft jetzt noch ordentlich die Nase. Dank des mitgenommen Wasserkochers kann mir Heike weiterhin Tee mit Honig einflössen.

Mittwoch 12.05. nach einer unruhigen Nacht wird gemeinsam gefrühstückt, in dem kleinen Frühstücksraum drängen sich Läufer und Betreuer aus verschiedensten Nationen, alle im Teamanzug, noch herrscht eine entspannte Atmosphäre. Den Vormittag verbringe ich mit dem richten der Ausrüstung und natürlich Tee trinken...


Antje mit Betreuer Heiko, und ich mit meinem Betreuer Marcel beim Frühstück.

Zum Mittagessen werden wir mit Bussen abgeholt und es geht erstmals in das Stadtzentrum. Alle Teilnehmer werden in einer großen Halle verpflegt, wie in Frankreich üblich darf der Käse und Wein nicht fehlen. Noch immer regnet es in regelmäßigen Abständen, an der Strecke werden zu diesem Zeitpunkt die letzten Reparaturarbeiten ausgeführt.


Letzte Arbeiten an der Strecke kurz vor dem "Anstieg"

Nach dem Mittagessen geht es per Bus wieder zurück in das Hotel zum Mittagschlaf. Einige nutzen die Zeit um sich die Stadt anzuschauen, ich muss ins Hotel, Tee trinken...............

Am Nachmittag geht es wieder per Bus in die Stadt, alle Teilnehmer treffen sich auf dem Marktplatz zum Start des Umzugs durch die Altstadt zum Streckengelände. Hier findet die offizielle Eröffnung sowie Vorstellung der Athleten statt.


Direkt hinter den Cheerleadern und der Musikkapelle führen wir den Umzug an.

Nach dem offiziellen Teil geht es wieder in die Halle zur Pastaparty. Im Hotel treffen wir uns noch schnell zur letzten Team-Besprechung und einem Bier. Die letzte Nacht vor dem Wettkampf ist wie immer recht unruhig. Die Nase läuft noch immer, der Hals kratzt und ich habe keine Lust mehr auf Tee, ich habe beschlossen die Erkältung morgen einfach "Rauszulaufen"

Donnerstag 13.05 der Tag ist gekommen, heute wird sich entscheiden ob sich meine Vorbereitung ausgezahlt hat. Im Frühstücksraum herrscht eine angespannte Nervosität. Unsere Betreuer machen sich bereits um 07.00 Uhr mit einem unserer Kleinbusse auf den Weg um den Versorgungsposten einzurichten. Wir Läufer müssen erst um 09.30 Uhr zur Chipkontrolle an der Zeitmessmatte sein.


Angespannte Ruhe an unserem Versorgungsposten kurz vor dem Start


Ein letztes Mannschaftsphoto

Der Start findet auf dem Marktplatz statt, und führt durch die Altstadt zum Rundkurs, dieses Streckenstück musste extra vermessen werden, die erste Runde auf dem 1,250 km langen Rundkurs ist dadurch ca. 500 m länger.


Auf dem Weg zum Start


Der erste Durchlauf der Versorgungszone

Der Lauf hat pünktlich um10.00 Uhr begonnen, die ersten Minuten versuche ich mich relativ weit vorne im Feld zu positionieren damit ich nicht beim Überhohlen die Ideallinie verlassen muss. Wie immer bin ich am Anfang zu schnell und lege die ersten Runden in einem Schnitt von über 12 km/h zurück. Nach ca. einer Stunde meldet mir Heike von unserem Teamchef ich soll Tempo rausnehmen, da ich auf ihn nicht hören würde. Trotz meines recht hohen Anfangstempo werde ich bereits in der ersten Stunde mehrmals durch die Führenden überrundet. Das Wetter ist zur großen Erleichterung recht gut, zwar etwas kalt, aber kein Regen.


Noch läuft es wie von alleine, auf der Strecke gibt es häufig Punkte an welchem sich die Läufer in kurzem Abstand entgegenlaufen, trifft man einen aus seinem Team motiviert man sich gegenseitig.


Der schönste Streckenabschnitt im Park.


Kurz vor der Versorgungszone


Beim Durchlauf der Versorgungszone, hier nehme ich gerade den in der Vorrunde "bestellten" Schwamm entgegen um mir das Salz aus dem Gesicht zu waschen. Insbesondere in den ersten 10 Stunden muss ich regelmäßig Salztabletten schlucken da sich sonst Krämpfe anmelden. Glücklicherweise wirkt das Salz bei mir sehr schnell, wenn`s in den Waden zuckt und ich in der nächsten Runde mein Salz bekomme gibt es keine Probleme.


Direkt nach den Versorgungsständen der Teams kommt die Zeitmessmatte, hier befindet sich auch die offizielle Versorgungsstelle.


An der großen Anzeige im Zeitmessbereich kann man nach jeder Runde seine aktuelle Platzierung sehen. In diesem Fall habe ich mit der Start Nr. 160 nach     9 Stunden, 07 Minuten eine Distanz von 100,50 km zurückgelegt. Für meine letzte Runde benötigte ich 6,56 Minuten und liege auf Position 32 (Start Nr. 3 ist eine Frauenwertung)


In der Nacht am "Berg". Die Strecke hat eine Höhendifferenz von 4 Metern, nicht viel aber es summiert sich. An diesem Streckenabschnitt wird innerhalb weniger Meter der größte Teil der Höhendifferenz überwunden. Nach einigen Stunden beginnen hier bereits die ersten zu gehen, es haben halt nicht alle einen Dinkelberg als Trainingsgebiet. Hinter mir ist die älteste Teilnehmerin aus Russland zu sehen. Besonders auffällig an ihr, die "schicke" lila Laufhose.


In der Nacht wurde es dann recht kalt, und ich musste eine Jacke, Mütze und Handschuhe anziehen (keine Bilder). Insbesondere die ca. 200 Meter entlang eines Flusses waren sehr ungemütlich da dort am Morgen kalter Nebel aufstieg. 


Wie schafft man es 24 Stunden zu laufen? Ich setze mir immer kleine Teilziele. Die erste Stunde ist schnell vorbei. Dann 3 Stunden 1/8 der Zeit ist um. Das Nächste Ziel sind die 6 Stunden, schon 1/4. Dann kommen schon bald die ersten 100 km und dann ist auch schon nach 12 Stunden Halbzeit. Nach dem Bergfest ist das nächste Ziel mit noch 9 Stunden einstellig zu werden und nach 16 Stunden ist schon 2/3 geschafft. Jetzt freut man sich auf den beginnenden Morgen. Die aufgehende Sonne wenn es wieder wärmer wird ist besonders schön.


Die letzten 3 Stunden, ich will unbedingt eine neue persönliche Bestleistung.        Ich will die 240 km!!!!


Die Versorgungszone, im schwarzen Trainingsanzug Marcel mein Betreuer. Wir verstehen uns fast blind. Wenn ich mir schon aus der Ferne an die Nase zeige weis er dass ich ein Taschentuch brauche. Daumen und Zeigefinger mit kleinem Abstand in die Luft gestreckt bedeutet ich brauche eine Salztablette, selbst als ich mit beiden Händen ein A andeute bekomme ich mein Apfelschorle. Das alles haben wir vorher nicht besprochen aber er ist halt der optimale Betreuer und hat großen Anteil an meinem Erfolg. Danke Marcel.


Es sind noch ca. 14 Minuten bis die 24 Stunden beendet sind, ich habe 238,425 km zurückgelegt Als ich an der Zeitmesszone vorbeikomme wird mir die Deutschlandfahne für meine vermeintlich letzte Rund in die Hand gedrückt, ich muss aber noch mindestens ein Mal hier vorbeikommen um die 240 voll zu machen. Die nächste Runde gebe ich noch mal alles, ich schaffe sie deutlich über 10 km/h, erst jetzt halte ich die Fahne nach oben als ich zum letzten mal an den Betreuern vorbei komme. Die Anzeige signalisiert mir noch 323 Meter bis die 240km geschafft sind, ich schaue nur auf den Boden und laufe weiter, alle 100 Meter ist die Strecke markiert, ich will sicher sein und laufe bis zur 500 Meter Markierung. Geschafft !! Über die Lautsprecher wird signalisiert dass die letzte Minute angebrochen ist, ich gehe langsam weiter und genieße diese letzte Minute bis zum endgültigen Ende.  



Nach dem Signal welches das Ende der 24 Stunden bedeutet muss man stehenbleiben und die Stelle mit seiner Startnummer und dem Chip markieren, damit die Restmeter vermessen werden können. Als erstes kommt Heike angerannt und freut sich riesig mit mir zusammen. Sie war ständig an der Strecke hat den Versorgungsposten unterstützt, viele Photos gemacht und mich immer wieder motiviert. Auch Marcel kommt sofort zu mir und wartet bis die Offiziellen meine Streckenmarkierung registriert haben. Jens der Brive für einen Kurzurlaub genutzt hat und ebenfalls häufig an der Strecke war und mich mit seiner eigene Art motiviert hat, stützt mich auf dem Weg zu unserem Team. Meine Beine geben mir jetzt sehr deutlich zu verstehen dass die 24 Stunden beendet sind.


Gegenseitige Glückwünsche mit Ralf Weiss, 249,251 km und unserem Physio Oliver Leu, er hatte wenige Tage vorher am 24 Stundenlauf in Basel über 233 km zurückgelegt. 

Mein Traum ist in Erfüllung gegangen. Persönliche Bestleistung mit 240,505 km, Platz 24 in der Gesammtwertung. Eine tolle Strecke mit einem super Publikum und ein Veranstalter der für die perfekten Rahmenbedingungen gesorgt hat. Eine Woche welche ich nicht vergessen werde.  Auch wenn ich jetzt noch nicht an die Läufe denken will, welche in Zukunft auf mich warten, aber es wird im nächsten Jahr wieder eine WM geben. Mit meiner erbrachten Leistung habe ich gute Vorrausetzungen geschaffen wieder nominiert zu werden. Und dann könnten alle welche mich aus der Ferne so toll unterstützt haben live dabei sein, denn die nächste WM wird fast ein Heimspiel und findet in Brugg / CH statt.


Danke liebe Heike, für deine Unterstützung bei meinem Traum.


Weitere Berichte findet man auch unter

Laufreport

Leichtathletik.de

DLV-Sport.de

Vorbericht Badische Zeitung

Bericht von Marcel

Bericht Markgräfler Tageblatt

Bericht Badische Zeitung




21.03.2010

30. 100 km - Lauf von Kienbaum Grünheide.

Der Lauf wird auf dem Gelände des Bundesleistungszentrum Kienbaum ausgetragen und führt auf einem 5 km Rundkurs durch die weitläufige Sportanlage. Kienbaum liegt ca. 20 km östlich von Berlin. Am Start waren neben vielen bekannten Gesichtern aus der Ultraszene auch Oliver Leu der an den letzten zwei 24 h Weltmeisterschaften teilgenommen hat und Patrick Hoesl der dieses Jahr mit mir in Brive an den Start gehen wird. Aus Schopfhein ebenfalls angereist war Matthias Schaubhut welcher eine gute Zeit als Vorbereitung für den Spartathlon erzielen wollte.


neben mir mit der Start Nr.550 Matthias Schaubhut und Patrick Hoesl.

Für mich sollte dieser Lauf in erster Linie als Vorbereitung dienen und war als langer Trainigslauf gedacht, welchen ich in gleichmäßigem Tempo absolvieren wollte. Vom Start an lief ich zusammen mit Oliver Leu. Wir harmonierten so gut zusammen, dass wir den Lauf über die gesamten 100 km im gleichen Tempo absolvierten und mit exakt der gleichen Zeit auf Platz 5 und 6 den Lauf beendeten.  


Die Zielzeit mit 8:43,38 stellt für mich gleichzeitig auch eine persönliche Bestleistung auf diese Strecke dar. Die Zeit von 2008 in Biel lag noch bei 9:32,25 Besonders erfreulich für mich ist dass ich keinerlei muskuläre Probleme nach diesem Lauf habe und schon Heute einen Tag danach bereits wieder einen lockeren Lauf über 15 km problemlos absolviert habe.   


Nachfolgendend die Rundenzeiten, 20 Runden a`5 km 

00:26:24 (00:26:24) 00:52:56 (00:26:32) 01:18:49 (00:25:53)                01:44:42 (00:25:54) 02:10:01 (00:25:20) 02:35:20 (00:25:19)                03:01:13 (00:25:53) 03:26:42 (00:25:30) 03:52:24 (00:25:43)                04:18:29 (00:26:05) 04:44:31 (00:26:03) 05:10:43 (00:26:12)                05:37:24 (00:26:41) 06:03:24 (00:26:01) 06:30:16 (00:26:53)
06:57:05 (00:26:49) 07:24:02 (00:26:58) 07:51:33 (00:27:31)                08:18:14 (00:26:42) 08:43:38 (00:25:24)

28.12.2009

Alles Rund um den 24 Stundenlauf vom 19/20.12.2009 in Barcelona

Nachdem ich am 26. September den 24 Stundenlauf in Brugg/Schweiz nach 8 Stunden und 84 km abgebrochen hatte, stand schnell fest dass ich es in diesem Jahr auf dieser Distanz noch einmal probieren will. Nach der Durchsicht der möglichen Termine fiel die Wahl schnell auf Barcelona, in der Hoffnung dass ich trotz der winterlichen Jahreszeit noch erträgliche Temperaturen vorfinden würde. Es war mir jedoch klar dass ich nicht ohne Betreuer nach Spanien reisen konnte, wenn ich ein optimales Ergebnis erreichen wollte. Mit Jens und Marcel fand ich schnell zwei Betreuer welche sich nach meiner Einschätzung gut ergänzen würden. In der Zwischenzeit intensivierte ich mein Training auf bis zu 175 km in der Woche und auch in unseren Ferien auf Bali 5 Wochen vor dem Start, drehte ich bei tropischen 33 Grad auf dem nahegelegenen Golfplatz meine Runden. So konnte ich mich am 18.12 mit voll gepacktem Auto auf den Weg über Basel und Wangen, wo ich die Betreuer einsammelte, mit einem guten Gefühl in Richtung Barcelona aufmachen. 


Nachfolgend findet ihr den "Reisebericht" vom Jens der alle Ereignisse aus der Sicht eines Betreuers beschreibt........................


Trip nach Barcelona – oder „24 Stunden im Kreis rum“Ein Reisebericht von Jens Horschig zu den 24 Hores d’Atletisme in Barcelona vom 18. – 21. Dezember 2009




Es ist schon eine Weile her, als mich Kai  http://www.kai-horschig.de fragte, ob ich ihn an den 24-Stunden-Lauf nach Barcelona als „Betreuer“ begleiten würde – ich sagte damals spontan zu…ohne nur zu erahnen, was da alles auf mich zukommen würde.
Damals bin ich noch davon ausgegangen, das Barcelona ja von Basel aus sehr einfach und auch kostengünstig mit dem Flugzeug erreichbar ist – schon das war der erste Trugschluss den Running-Man Kai hat entschieden, das man die 1‘100 Km. ja auch „bequem“ in der tschechischen „Reiselimousine“ namens Skoda erreichen könnte. Also nix mit Cüpli im Flieger sondern Mineralwasser im Heizölbomber…
Gott sei Dank hat sich der erfahrene Ausdauerläufer und Freund von Kai, Marcel Huber ebenfalls erbarmt, mit in die Katalanische Hauptstadt zu reisen, ich denke, ich wäre für ein 24-Stündiges-Lauf-Catering überfordert gewesen - und hätte wahrscheinlich auch die falschen „Mittelchen“ verabreicht. Mehr über Marcel auf seiner Homepage: http://www.huber-zihlmann.ch




In den letzten Tagen vor der Abreise ging der Blick natürlich immer auf die Wetteraussichten in Barcelona – und zumindest aus Betreuersicht verhiessen die nächtlichen Temperaturen nichts gutes, knapp über dem Gefrierpunkt aber zumindest kein Regen, tagsüber 8-10 Grad bei Sonnenschein. Aus Läufersicht
wahrscheinlich optimale Bedingungen – die ich aber schlecht einschätzen kann, den mein läuferisches Maximum war die Teilnahme 2008 am GP von Bern.

Mein Blick ging natürlich auch auf die Homepage des Veranstalters http://www.24hores.corredors.cat/ und das Teilnehmerfeld, per 16. Dezember 2009 hatten sich 53 Läufer angemeldet – Kai mit der Startnummer 13.
Auf meine Frage an ihn, ob das ein gutes oder schlechtes Omen sei, antwortete er mir: Ein gutes…
Ob sich das bewahrheiten würde werden wir in diesen Bericht sicher noch feststellen können.

Das Hotel hatte Kai (im 2. Anlauf) gut organisiert, unmittelbar neben dem Stadion befand sich ein gut ausgestattetes Ibis-Hotel, welches der Veranstalter empfohlen hatte und auch eine Special Rate offerierte: € 42.00 für ein Einzelzimmer sind so schnell nicht zu schlagen…


Freitag, 18. Dezember 2009

Die Abfahrt in Wangen an der Aare war eigentlich auf 07.00 Uhr terminiert – aus mir noch immer nicht nachvollziehbaren Gründen hat er sich dann noch verfahren - trotz Navi im Auto.
Wir haben hier täglich LKW aus ganz Europa, die den Weg finden – aber Gott sei Dank ist Kai kein Orientierungsläufer und der Lauf geht ja in Barcelona in einem Stadion im Kreis rum.
Schlussendlich war die Abfahrt dann um 7.30 Uhr bei Schneefall und -4°C, dementsprechend waren die Strassenverhältnisse in der Schweiz.

09.30 Uhr Genf, Grenzübertritt nach Frankreich, Schneefall bei -3°C
11.30 Uhr Lyon, leichter Schneefall, -1°C
Irgendwo zwischendrin gab es dann doch eine gesunde Zwischenmahlzeit beim gelben M
14.00 Uhr Montpellier, Sonnig, +7°C
15.45 Uhr Grenzübertritt von Frankreich nach Spanien bei blauen Himmel und +6°C
17.00 Uhr Ankunft im Hotel in Barcelona

Auch das lief nicht so wie geplant, wie wurden erst mal damit konfrontiert, das es unter der vorliegenden Buchungsnummer nur eine Zimmerreservierung gab – und nicht drei. Die Panik war da…
Auch das lösten wir mit einem Telefongespräch in die Schweiz zu einem spanisch sprechenden Freund von Kai (Danke Juan☺) – er hat der Empfangsdame mal kurz einen „Einlauf“ verpasst und dann waren auch die drei Zimmer gebucht.

Das Hotel befand sich unmittelbar in einem grösseren Einkaufzentrum mit diversen Geschäften und Restaurants – bei einem Italiener nahmen wir dann um 18.30 Uhr unser Nachtmahl ein – und das letzte Bier vor dem grossen Ereignis!
Danach ging es dann unmittelbar auf die Zimmer (nicht alle), um ausgiebig Kräfte für das zu tanken, was uns bevorstand

Samstag, 19. Dezember 2009

Um 08.30 Uhr trafen wir uns dann zum gemeinsamen Frühstück – jeder, der die Ibis-Hotels kennt, weiss, das dort die Auswahl nicht gerade der Hammer ist, aber wir haben unsere Bedürfnisse erfüllen können.
Zur Anmeldung in das nur 2 Minuten entfernte Stadion „Can Drago“ gingen wir dann um 10.15, wie nicht anders erwartet war da natürlich noch nicht viel parat, der Aufbau war noch voll im Gange und keiner wusste eigentlich genau, wo was war. Aber auch diese neue Erfahrung warf uns nicht aus der Bahn und nachdem auch der Chip überprüft wurde war dann auch diese Hürde geschafft.
Es ging dann nochmal kurz zurück ins Hotel und um 11.30 marschierten wir dann mit diversen Kisten und Taschen (auch Equipment genannt) wieder zum Ort des Geschehens.




Wir suchten uns dann dort im Zelt eine Ecke und konnten uns da dann mehr oder weniger häuslich einrichten, wie gesagt alles sehr spartanisch und einfach.
Uns ist bereits da aufgefallen, das kein einziger der anderen Läufer irgendwelche Betreuer oder Helfer dabei hatte – Kai hatte deren zwei, spätestens am Schluss dieses Berichtes wird sich herausstellen, ob das für etwas gut war.

Kai hat im Vorfeld einen genauen Plan erstellt, in welcher Rundenzeit bzw. wie viele Runden er pro Stunden laufen wollte, für den interessierten Läufer hier kurz eine Übersicht:

Stunde 01 – 06: 2.30 Min/Runde 10.680 km/h 24.0 Runden/h

Stunde 07 – 12: 2.40 Min/Runde 10.012 km/h 22.5 Runden/h

Stunde 13 – 18: 2.50 Min/Runde 09.345 km/h 21.0 Runden/h

Stunde 19 – 24: 3.00 Min/Runde 08.900 km/h 20.0 Runden/h

Das Ziel war ebenfalls klar definiert: 525 Runden = 233.622 km

Der Lauf

12.04 Uhr Start des Laufes, nach der ersten (nichtssagenden) Runde lag Kai auf Platz 3.

14.03 Uhr Die ersten 50 Runden

15.45 Uhr* 92 Runden / 40.974 km / 5:25 m/km Platz 3

16.10 Uhr 100 Runden geschafft

16.15 Uhr Laufrichtungswechsel, jetzt von links nach rechts

16.40 Uhr* 112 Runden / 49.881 km / 5:26 m/km Platz 3

18.10 Uhr 150 Runden

18.15 Uhr* 152 Runden / 67.696 km / 5:30 m/km Platz 3

19.30 Uhr* 180 Runden / 80.166 km / 5:34 m/km Platz 3

19.53 Uhr Platz 2 nach 84.174 Km

20.21 Uhr 200 Runden

21.23 Uhr 100 km

22.35 Uhr 250 Runden

00.49 Uhr 300 Runden

11.35 Uhr* 481 Runden / 214.221 km / 6:00 m/km Platz 1

12.04 Uhr* 529 Runden / 236.000 km / 6:06 m/km Platz 1

* Offizielle Zeitnahme Champion Chip

Das waren mal die nüchternen Zahlen zum Rennablauf, aber es tat sich ja sonst auch noch so einiges während dieser 24 Stunden…



Der aufmerksame Leser hat es sicher schon realisiert: Kai hat den Lauf souverän gewonnen, vielleicht auch deshalb, weil es schlussendlich nicht die Startnummer 13 waren sondern die 26.
Ich hoffe aber auch, die Betreuer hatten einen kleinen Anteil am Erfolg, vor allem Marcel mit seiner Erfahrung half sicher über kleinere Krisen - er hatte permanent 4-6 Flaschen diverse vorgewärmte Mix-Getränke in der Jacke und Kai konnte immer optimal bedient werden.
Ich kann noch immer nicht nachvollziehen, wie man einen Mix aus Cola und Kaffee trinken kann – anscheinend hat es aber geholfen.

Rund eine Stunde vor dem Lauf wurde Kai gefragt, was es nach dem Ende möchte. Die Antwort war kurz und knapp: Bier
Auch dieser Wunsch stellte uns nicht vor eine grosse Herausforderung – ich machte mich auf den Weg zum nächsten Supermarkt, kaufte ein paar Flachen bayrisches Bier incl. Glas und in der Finalrunde lief er dann mit gefüllten Glas und deutscher Fahne über die Ziellinie…dem Volk hat es gefallen – ihm und uns natürlich auch.




Ich hoffe, Kai stellt nebst meinem Bericht auch ein paar Fotos auf seine Homepage – da könnt ihr euch dann alle davon überzeugen, wie Geil das war.

Die Siegerehrung war bereits 20 Minuten nach dem Lauf, ich habe noch nie gesehen, das die Erstplatzierten auf das Siegerpodest hoch- bzw. heruntergehoben werden mussten…so schlimm kann‘s doch nicht gewesen sein.

Anscheinend war es doch schlimm, Quasimodo (der aus Glöckner von Notre Dame) bewegte sich im Vergleich zu Kai wie ein Wiesel…der Gang von ihm war so mitleiderregend, das ihn sogar der vor Ort stationierte Krankenwagen anbot, ihn in das Hotel zurück zu fahren – lehnte er aber dann dankend ab.




Rund um den Lauf

Die sogenannten „24 Hores d’Atletisme“ waren, wie es der Name ja schon sagt, eine Veranstaltung mit

diversen Wettkämpfen: Staffellauf 4 x 400m, Diskuswerfen, Weitsprung, Speerwurf, 5‘000m Lauf, 10‘000m Lauf und einem 6 Stunden Lauf.
Bei dem 6 Stunden Lauf lief ein alter Bekannter von Kai und Marcel mit: Samuel Arroyo Vallejo. Alle drei kannten sich vom diesjährigen Swiss Jura Marathon.
Der „kleine“ Samuel zeigte dann eine „grosse“ Leistung beim oben erwähnten Lauf: Platz 3 nach 159 Runden (69.665 km)




Neben Kai lief noch ein weiterer, deutscher Teilnehmer mit: Heiko Ludwig aus Karlsruhe
Er musste leider aus gesundheitlichen Gründen nach 9 Stunden (84.620 km) aufgeben, (dieses Mal hat das Malzbier nichts genutzt) kam aber dann noch zum Finale und Siegerehrung.
Am Abend trafen wir ihn beim Abendessen in der Pizzeria wieder…und da schmeckte das Bier schon wieder fantastisch!

Und dann waren da ja noch Maria und Roland Wille von Skinfit http://www.skinfit.es Sie waren an der Veranstaltung mit einem Verkaufsstand und wir bekamen erst später mit, das diese beiden auch deutschsprachig waren, sie kommen ursprünglich aus Liechtenstein und haben seit rund einem Jahr die
Vertretung von Skinfit Spanien.
Roland ist unter anderen ein sehr guter Läufer auf kürzeren Distanzen, er beteiligte sich am 5‘000 & 10‘000m Lauf mit sensationellen Ergebnis: 10‘000m 35:15min Platz 1
5‘000m 16:58min Platz 2
Ich kann dazu nur sagen: Der ging ab wie ein Zäpfchen…
Während den 24 Stunden führten wir sehr interessante Gespräche mit beiden und vor allem Maria wussten von fast jeden Läufer etwas zu berichten, Roland war uns am Schluss als Dolmetscher sehr hilfreich.
Maria & Roland, es war schön, euch kennen zu lernen.




Nach der Siegerehrung schleppte sich wie bereits erwähnt, Kai in Richtung Hotel, Marcel und ich schleppten die diversen Kisten und Utensilien zurück.
Nachdem wir dann den „Sieger“ samt seinen Pokal in sein Zimmer verfrachtet hatten machten auch wir mal eine kleine Siesta und Verabredeten uns um 18.00 Uhr zum Abendessen – das nahmen wir dann wieder in einem Restaurant des Einkaufscenters ein.

Kai war den ganzen Tag nicht mehr gesehen – anscheinend hatte er ein kleineres Schlafdefizit ☺…Marcel und ich staunten nur.☺

Montag, 21. Dezember 2009

Der Tag danach – oder auch der Tag der Heimreise…

Wir verabredeten uns bereits um 6.30 Uhr zum Frühstück, damit wir rechtzeitig wieder abfahren konnten bzw. zu einer normalen Zeit wieder zu Hause eintreffen.
Klappte auch alles und um 8.00 Uhr machten wir uns dann wieder vollbeladen gen Norden, nachdem es Kai auch endlich geschafft hatte, in das Auto einzusteigen (Quasimodo kommt mir schon wieder in den Sinn
Die Rückfahrt verlief dann sehr zügig (so zügig, das wir sogar in Frankreich von einer Schilderbrückehingewiesen wurden…mit Angabe des Kennzeichen…das wir zu schnell sind, mal schauen, ob da noch was kommt, no Panic – ich zahle das dann)!!

Wie gesagt zügig, 995 Km in 8.5 Stunden in einem Skoda sind anspruchsvoll…☺)Aus meiner Sicht...…bleibt noch hinzuzufügen, dass es zumindest nachts „Arschkalt“ war, um die –2°C mit einem eisigen Nordwind…so wie wir hörten das kälteste Wochenende des Jahre…Super.

War wirklich nicht sehr angenehm…sogar ein Teilnehmer aus Dänemark bemerkte, das es wirklich sehr kalt war, er lief zum Teil sogar mit einer Daunenjacke.

Ohne den Ausrichter auch nur in einer Form zu kritisieren, die Infrastruktur und die Verpflegung für die Läufer (und auch Betreuer) hat noch Potenzial…oder es war Spanischer Standard und wir ein bisschen verwöhnt.

Mein Respekt gilt allen Teilnehmern oder Personen, die so etwas auf sich nehmen und daran noch Freude haben – der Quälfaktor muss immens sein, für mich unvorstellbar.

Ja, und je nach dem, ob sich Kai jetzt wirklich für die WM nächstes Jahr in Frankreich qualifiziert hat lass ich mich ja wieder breitschlagen und komme mit, und wenn’s nur dafür ist, ihm während des Laufes ab und zu mal in den Hintern zu treten…mach ich gerne

Spruch des Wochenendes…

…war von Kai ca. 15 Minuten vor Laufenden: „I mag nimmer“, er bekam dann eine passende Antwort dazu☺

und dann ging‘s wieder…☺



Bericht Markgräfler Tageblatt vom 29.12.09

Kai Horschig siegt beim 24 Stundenlauf in Barcelona und schafft die Norm für den Nationalkader

Von Werner Müller Schopfheim. Nächstes Jahr ist Weltmeisterschaft. Von der träumt auch Kai Horschig - ihm spukt freilich nicht der Fußball im Kopf herum, sondern ein ganz spezieller Wettbewerb für Dauer(b)renner wie ihn - die 24 Stundenlauf-WM im französischen Brive. Auf dem obersten Treppchen: Kai Horschig (Mitte) gewann den 24 Stundenlauf von Barcelona.
Foto: privat Der Ausdauersportler aus Wiechs, der unter anderem schon erfolgreich den Sahara-Marathon bestritt (wir berichteten), kann sich durchaus Hoffnungen auf die WM-Teilnahme machen.

Denn die hat er sich redlich verdient - mit einem Sieg beim 24 Stundenlauf von Barcelona unmittelbar vor Weihnachten. Horschig legte bei lausigen äußeren Bedingungen binnen Tagesfrist sage und schreibe 236 Kilometer zurück - 24 Kilometer mehr als bei seinem Sieg beim Basler 24 Stundenlauf im Frühjahr dieses Jahres.

Damit schaffte Horschig eine - gemessen an der langen Zeitspanne - geradezu horrende Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp zehn Stundenkilometern. Ich habe mir fürs Rennen auch einen knallharten Plan gemacht, berichtet der unermüdliche Läufer. Zwar habe er in den Wochen vor dem Wettkampf sein Trainingspensum auf bis zu 180 Kilometer (pro Woche) erhöht, doch diesbezüglich sei das Limit noch nicht erreicht. So habe er vor dem Lauf in der katalanischen Metropole noch einen Badeurlaub verbracht mit Faulenzen am Strand.

Um so größer war dann der Kontrast beim Wettkampf. In Barcelona nämlich hatten die Läufer mit wenig mediterranen Verhältnissen zu kämpfen: Es war schweinekalt, so Horschig, der in weiser Voraussicht allerdings einen Sack voll Klamotten im Gepäck hatte. Mehr als das Laufen bei Tag und bei Nacht setzten Horschig und den anderen 51 Teilnehmern denn auch die Kühlschranktemperaturen zu, zumal die Veranstalter als Verpflegung keine warmen Getränke reichten.

Deshalb mussten die zwei Betreuer von Kai Horschig, darunter sein Bruder Jens, ständig zwischen Hotel und Stadion pendeln, um warmes Wasser zu holen und die Getränke aufzuwärmen. Ohne meine Betreuer hätte ich das nicht geschafft, betont Kai Horschig denn auch.

Er selbst blieb während der gesamten 24 Stunden nicht eine einzige Minute stehen, legte nicht einmal Gehpausen um, sondern verpflegte sich und wechselte die Sportkleidung im Laufen.

Für diese Strapazen entschädigten indes die herzliche Atmosphäre unter den Läufern und ein emotionaler Zieleinlauf, erinnert sich Kai Horschig. Irgendjemand drückte dem Sieger eine Deutschland-Fahne und ein Glas Bier in die Hand, und alle Teilnehmer gratulierten Horschig zu seinem Sieg.

Diesen hatte er beim Start nicht einmal unbedingt im Visier, auch die Platzierung war für ihn zweitrangig. Ich wollte eigentlich nur die Qualifikationsnorm für die WM schaffen, so Horschig. Das gelang ihm denn auch bravourös: Mit 236 Kilometer in 24 Stunden schob er sich auf Platz vier der deutschen Jahresbestenliste und übertraf auch die Norm für den deutschen Nationalkader (230 Kilometer). Kontakt mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) hatte der Schopfheimer unterdessen schon, was seinem Traum natürlich noch zusätzliche Nahrung verschafft. Die WM-Teilnahme, gesteht Kai Horschig, wäre schon eine große Sache für mich.

Gleichwohl steht jetzt erst einmal Erholung auf dem Trainingsplan. Den extremen Muskelkater nach dem Barcelona-Lauf kurierte Horschig übrigens mit einem ganz speziellen Weihnachts-Triathlon aus: Christstollen, Linzer Torte und Plätzchen verputzen.


14.09.2009

Am 28. August startete ich wieder zum Ultra Trail Mont Blanc, einem Lauf rund um den Mont Blanc mit einer Distanz von 165 km und fast 10000 Höhenmetern. Für diese Strecke darf man max.46 Stunden benötigen. Da der Start in Chamonix am Abend um 18,30 Uhr ist, sind die "normalen" Läufer zwei Nächte unterwegs. Um teilnahmeberechtigt zu sein ,muss man in den letzten Jahren an Läufen mit einem festgelegten Schwierigkeitsgrad teilgenommen haben.

Eigentlich begann es ja schon im letzten Jahr als ich in La Fouly den Lauf beenden musste und schon im Bus nach Chamonix wusste dass ich nächstes Jahr wieder kommen würde.

Damals war das Problem "ausgelatschte" Einlagen welche für riesige Schmerzen in meinem rechtes Knie sorgten.

Dieses Jahr wollte ich alles besser machen, in der Vorbereitung statt Baltic Run den Swiss Jura Run und noch mehr Bergläufe im heimatlichen Schwarzwald. So stand ich also bestens vorbereitet auf den Stufen vor der Kirche in Chamonix und freute mich auf den Start. Und es lief wirklich gut, mit leicht angezogener Handbremse spulte ich die km runter und hatte einfach nur Spaß. Die erste unangenehme Situation dann kurz nach dem Gipfel des Bonhomme. Dichter Nebel und nur wenige Meter Sicht Zusammen mit einer immer größer werdenden Gruppe suchten wir den Weg welchen wir dann auch nach einigen Minuten Umherirren wieder fanden. Zusammen in der Gruppe nahm ich dann den weiteren Abstieg unter die Füße und war wirklich froh nicht alleine zu sein. Hinunter zum Lac Combal dann ein Sturz im vollen Lauf und ein "Faststurz" den ich mit einem großen Ausfallschritt noch abwenden konnte. Dies zwei Ereignissen stellten sich erst viel später als der Grund für mein späteres Ausscheiden heraus. In Courmayeur dann schnell frische Kleidung und Socken an, etwas essen und schnell weiter. Der Aufstieg zum Refuge Bertone der mich im vergangenen Jahr fast zum Verzweifeln brachte lief relativ flott, auch begünstigt von den kühleren Temperaturen und der früheren Tageszeit. Die Probleme begannen dann ab dem Abstieg vom Col Ferret, die rechte Leiste begann immer mehr zu schmerzen und der Weg nach La Fouly war schon recht beschwerlich. In La Fouly meldete ich dann in die Heimat dass der UTMB für mich jetzt ein Wandertag wird und ich den Lauf "nur" noch beenden will. In Champex gönnte ich mir eine längere Pause und hätte schon hier eigentlich den Lauf beenden sollen. Hinauf zum Bovine ging es wieder einigermassen wobei ich jeden Schritt genau vorbereiten musste. Mit dem linken Bein die großen Schritte und mit dem rechten Bein max. 15 cm, nach oben. Oben angekommen ließ ich mir zur warmen Suppe eine Schmerztablette geben. Im Nachhinein bin ich mir sicher es war nur ein Stück Traubenzucker, denn die Leistenschmerzen wurden immer schlimmer. Der Abstieg nach Trient war dann nur noch Leiden und ich benötigte für diesen recht kurzen Streckenabschnitt fast drei Stunden. In Trient gab ich dann meine Startnummer ab und fuhr mit dem nächsten Bus zurück nach Chamonix. Für die letzten 28 km hätte ich noch fast 16 Stunden Zeit gehabt, ab ich konnte zu diesem Zeitpunkt keinen Meter mehr laufen. Und somit weiß ich auch schon wo ich nächstes Jahr am letzten Wochenende im August sein werde, am Start in Chamonix, denn alle guten Dinge sind DREI......................

Swiss Jura Marathon vom 05.07 bis 11.07.2009 350 km, 11000 Höhenmeter in 7 Etappen von Genf nach Basel



Pünktlich um 8.00 Uhr zum Start des SJM wurde auf dem Genfer See die Wasserfontaine eingeschaltet und 59 Läufer machten sich auf den Weg der ersten Etappe nach St.Cergue. Die ersten 30 km konnte ich in einem recht flotten Tempo bewältigen und erst dann, mit dem Aufstieg zum La Dole, begann der SJM so richtig. Die erste Etappe beendete ich in einer Zeit von 4:49,14 auf dem 8.Platz.



Die nicht immer einfachen Wege stellten eine besondere Herausforderung an die Läufer dar. Ohne geeignete Trailschuhe wurden solche Streckenabschnitte schnell zur Rutschbahn. Die zweite Etappe beendete ich in einer Zeit von 4:44,38 auf dem 6. Platz der Tageswertung.



Die Strecke wurde mit den rot-weißen Bändern markiert, wenn jedoch eine Kuh sich direkt auf oder vor eine Markierung stellte konnte es auch vorkommen dass man eine falsche Richtung wählte. Dies passierte mir im dichten Nebel auf der 3. Etappe, was mich sicherlich 10-15 Minuten Zeit kostete. Die Etappe beendete ich in 6:34,38 auf dem 10 Platz. 



An den 3 Verpflegungsposten wurden die Läufer mit Getränken und Energieriegeln versorgt. Es bestand auch die Möglichkeit Kleider und Schuhe zu deponieren. Hier tausche ich meine nasse Regenjacke gegen einen Becher Isostar ein. Für diese Etappe benötigte ich 6:11,46 was Platz 9 in der Tageswertung und Platz 10 in der Gesamtwertung bedeutete.



Nur selten konnte man die schöne Aussicht vom Jura ins Tal genießen, denn in den 7 Tagen bestand das Wetter zum größten Teil aus Wolken und vereinzeltem Regen. Zum Laufen aber ideal. Für die fünfte Etappe benötigte ich



Am Start zur vorletzten Etappe in Biel war das Starterfeld schon um einige Läufer dezimiert, welche aufgrund von Verletzungen den Wettkampf beendet, oder in die Gruppe der 175 km Läufer gewechselt hatten. Ich blieb zum Glück von diesen Problemen verschont und konnte alle 7 Etappen verletzungsfrei beenden. Für die Strecke nach Balstahl benötigte ich 6:10,54 was Platz 8 in der Tageswertung bedeutet.



Das Ziel in Basel ist erreicht, meine Familie und Freunde bereiteten mir einen triumphalen Empfang. Für die letzte Etappe benötigte 5:39,14 Platz 9 in der Tages - und in der Gesamtwertung.


Wenn man 7 Tage zusammen läuft, leidet und sich freut entstehen neue Freundschaften wie mit Felix meinem Konkurrenten um Platz 8


An der Siegerehrung im Restaurant Pfauen durfte ich vom Organisationschef Urs Schüppach einen gut gefüllten Umschlag für den 9. Gesamtrang entgegennehmen. Für die 350 km und 11000 Höhenmeter benötigte ich 40;00,22 Stunden.

Und jetzt heißt es die gute Kondition bis zum Ultra Trail Mont Blanc ende August zu erhalten.



24 Stunden Lauf in Basel am 9/10 05.2009

oder 5 Marathons an einem Tag

Nach dem für meine Verhältnisse recht umfangreichen Training mit bis zu 135 km pro Woche, beschränkte ich nun in den letzten Tagen vor dem Start in Basel, das Laufen auf die abendlichen Spaziergänge mit Heike, Figo und Conny.

Am Freitag Nachmittag traf ich mich mit Marcel im St. Jakob-Park am Startgelände, um unser Zelte und Pavillons aufzubauen und die Startunterlagen abzuholen. Marcel kannte ich bereits vom letzten Jahr, wo wir schon unsere Versorgungsbereiche nebeneinander standen und unsere Betreuer viel Spaß miteinander gehabt hatten.

Am Samstag fuhr ich dann relativ spät nach Basel und habe meine Kisten mit Ersatzkleidung, Schuhen und Verpflegung meinen Betreuern Martin und Silke übergeben.


Vor dem Start, das Thermometer auf dem Dach der Garderobe zeigt 25 Grad, was nicht unbedingt beste Bedingungen sind. Die Füße mit einer dicken Schicht Vaseline eingeschmiert, Socken und Schuhe an, und es kann losgehen........ 


Trotz Hitze am Anfang wie immer etwas zu schnell, aber langsam wird man von alleine.

Nach einigen Stunden ging über der Strecke ein kräftiges Gewitter nieder und der erste Kleider und Schuhwechsel wurde erforderlich. Auf der 100 km Runde erhielt ich von meinem Rundenzähler die Fahne für die absolvierten 100 Km. Die Zeit von 9:22 Stunden bedeutet auch gleichzeitig meine persönliche Bestzeit für diese Distanz.


Im laufe der Nacht musste Ralf Steisslinger das Rennen beenden. Zwischen uns beiden hatte bis zu diesem Zeitpunkt immer 2 bis 3 Runden Abstand bestanden. Jetzt hatte ich vor den nächsten Verfolgern einen Vorsprung von bis zu 13 km, doch konnte ich mich auf diesem Polster nicht ausruhen, da hinter mir ein hohes Tempo angeschlagen wurde. Doch der Vorsprung reichte, in den letzten Stunden hatte ich zwar einige Schwächephasen, doch insbesondere durch meine Betreuer und Freunde an der Strecke wurde ich immer wieder "angetrieben". Ein Lauftag an dem alles zusammengepasst hat wurde mit dem "besteigen" des Siegerpodests belohnt, was nochmals eine sportliche Herausforderung darstellte.

212,676 km

Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Jahr und dem 24 Stundenlauf in Basel. Und das Ziel ??? Immer besser werden...............................

Zeitungsberichte



Markgäfler Tageblatt vom 19.05.2009

Kai Horschig siegt beim Ultralauf in Basel / Gehpausen erst zum Schluss / Im Herbst um den Mont Blanc Schopfheim (wm). Kai Horschig hält sein Wort. Irgendwas Verrücktes gibt es immer, sagte der Schopfheimer Extremläufer, als er vor zwei Jahren den Marathon des Sables durch die Sahara erfolgreich bewältigt hatte (wir berichteten). Jetzt machte er sich wieder mal auf die Socken, um sein Motto von damals in die Tat umzusetzen.



Ganz so verrückt war's diesmal zwar nicht, aber immerhin: Horschig nahm am 24-Stunden-Rennen in Basel teil - und siegte. Gut 212 Kilometer legte der 43-Jährige zurück und ließ damit die Konkurrenz um Längen hinter sich - um mehr als drei Kilometer genau.

Mit Hitze und Sand, wie in der Wüste, hatte der Extremläufer am Rheinknie zwar nicht zu kämpfen, hart genug war das Rennen dennoch. 24 Stunden laufen, einen Tag und eine Nacht, und das noch dazu immer im Kreis, jede Runden exakt 1,14 Kilometer lang - das ist nicht nur eine körperliche, sondern auch eine mentale Tortur. Da muss man mit dem Kopf drangehen, weiß Horschig, der letztes Jahr schon einen Anlauf beim 24-Stunden-Rennen genommen, dann aber wieder abgebrochen hatte.

Dieses Jahr bereitete er sich intensiver darauf vor, trainierte 120 bis 130 Kilometer pro Woche und setzte an den Wochenenden einen Doppeldecker drauf. Nachts zu laufen bereite ihm weniger Probleme, erzählt er, dafür habe er speziell die langen Distanzen trainiert.

Ganz wichtig bei so einem Rennen sei die Vorbereitung und die ausreichende Versorgung mit Essen, Trinken und Kleidung, so Kai Horschig. In drei Kisten hatte er in Basel unter anderem Cola und Wasser, dünnen Kartoffelbrei zum Trinken, Salzsticks und Schokoriegel dabei, dazu vier paar Schuhe und x T-Shirts und Socken. Am Streckenrand schlug Horschig ein Zelt auf, von wo aus ihn zwei Betreuer ständig versorgen konnten.

Und er lief und lief und lief. Gesessen bin ich nur einmal, um Schuhe und Socken zu wechseln, erzählt er. Von Anfang an lag Horschig an der Spitze des Feldes, die ersten 100 Kilometer legte er in weniger als zehn Stunden zurück, so wie er es sich vorgenommen hatte. Danach lief er einfach so schnell, wie's noch ging.

Und es ging ziemlich schnell, obwohl auch er zum Schluss die eine oder andere Gehpause einlegen musste. Die Zeit ging eigentlich ziemlich schnell rum, erinnert er sich. Er habe viel Besuch bekommen von Familie und Arbeitskollegen, zudem habe er sich immer wieder kleine Etappenziele gesetzt.

Oben auf der Anzeigetafel zu stehen, habe ihn jedoch immer wieder zusätzlich motiviert, so Horschig. Als dann der große Favorit des Rennens aufgeben musste, habe er ständig die Abstände zu den härtesten Verfolgern ausgerechnet und überschlagen, wie viele Runden es noch dauert, bis ihn einer überholt. Doch es kam keiner mehr an ihm vorbei, alle mussten den Strapazen schließlich Tribut zollen.

Ohne diesen Druck von hinten wäre ich sicher nicht so weit gekommen, schätzt Kai Horschig, der gegen Ende des Rennens allerdings auch an seine Grenzen gehen musste. Zur Siegerehrung schaffte er es aus eigener Kraft nicht einmal mehr ganz aufs Podium, und vor dem Duschen musste ihm ein Helfer die Socken ausziehen.

Wenn man was will, kann man es schaffen, lautet seine Devise. Getreu dieser will Kai Horschig dieses Jahr noch zweimal bei außergewöhnlichen Rennen an den Start gehen: Zum einen beim Swiss-Jura-Run von Genf nach Basel (350 Kilometer in sieben Etappen), zum anderen im Herbst beim Mont Blanc-Ultra - 165 Kilometer und mehr als 10 000 Höhenmeter rund um den höchsten Berg Europas, und das an einem Stück. Aber wie gesagt: Was Verrücktes gibt's immer.  



Badische Zeitung 19.09.2009


18. Mai 2009 20:58 UhrKai Horschig triumphiert in BaselDauerläufer aus dem Wiesental gewinnt 24-Stunden-Rennen

Kai Horschig ist an die Grenzen körperlicher Leistungsfähigkeit gegangen – und darüber hinaus: Der 42-Jährige aus dem Schopfheimer Ortsteil Wiechs nahm am 24-Stunden-Lauf in Basel teil. Und gewann.



WIECHS. "Grenzgänger" Kai Horschig: Schon 2007 hat er mit der Teilnahme am Wüsten-"Marathon des Sables" für Schlagzeilen gesorgt; nun also triumphierte er beim 21. internationalen 24-Stunden-Rennen am Rheinknie. Und das sah so aus: In der rechten Hand die Fahne, in der linken die Wasserflasche. Ein Lächeln auf den Lippen und ein aufrechter, lockerer Gang. Sieht so einer aus, der gerade eine Tortur hinter sich hat? Ja. Mehr als 200 Kilometer ist Kai Horschig gerade gelaufen. Trotzdem wirkt Horschig nicht schlapp, sondern glücklich. So sieht ein Sieger aus – der scheinbar noch ewig weiterlaufen könnte.

Bilder können manchmal täuschen. "Ich war am Schluss froh, dass es endlich fertig war", gesteht Kai Horschig. Mit seinem ärgsten Verfolger, einem Russen, trieb er auf dem letzten Stück Psychospiele. Sieht er mich? Wenn nicht, dann wurde kurz das Tempo gedrosselt. Gehen statt Joggen.

Was nicht täuscht, ist das Bild vom "Grenzgänger". Das passt bei Horschig in diesem Fall doppelt. Horschig arbeitet in Basel. Der St.-Jakob-Sportpark, in dem der Lauf ausgetragen wurde, ist um die Ecke. Doch auch sportlich ging Horschig (wieder einmal) ans Limit und darüber hinaus: 24 Stunden laufen – (fast) ohne Pause. Am Ende exakt 212,686 Kilometer. Nur mal kurz anhalten, wenn die Blase drückt.
Horschig hatte gleich mehrere Gegner. Das Wetter. Erst schwül, 25 Grad. Dann Gewitter. Platzregen. Nachts kühlte es stark ab. Horschig hatte reichlich Ersatzkleidung und vier Paar Schuhe dabei – und machte davon regen Gebrauch. Dann der Magen. "Mancher Teilnehmer musste aufgeben, weil der Magen nicht mitmacht." 20 Prozent gaben in Basel vorzeitig auf. Bloß nicht experimentieren, dachte sich Horschig, als er seinen Getränke- und Speiseplan zusammenstellte: Cola, Isostar, Wasser, aufgelöstes Power-Gel, Salztabletten, Salzsticks, Schokoriegel und flüssiger Kartoffelbrei, dazu Obst.

"Wenn man etwas will und sich richtig darauf vorbereitet, kann man alles schaffen."

Der Körper. Selbst die weltbesten Spitzenläufer haben mit einem solchen Ultra-Marathon je nach Tagesform Probleme. Horschig hatte gezielt trainiert. 120, 130 Kilometer die Woche, am Wochenende auch mal 55 Kilometer an einem Stück. Und nicht zu vergessen: der Kopf. Horschig ging vorbelastet ins Rennen. Zweimal hatte er teilgenommen – und abgebrochen. Weil die Einstellung nicht stimmte. Ein drittes Mal sollte der innere Schweinehund nicht triumphieren. "Ich wollte es dieses Mal unbedingt zu Ende bringen", hatte er sich in den Kopf gesetzt. Und was Horschig sich vornimmt, bringt er zu Ende. Nicht nur beim Wüsten-Marathon vor zwei Jahren, als er seine "Unverwüstlichkeit" buchstäblich unter Beweis stellte. 


"Ab einem bestimmten Punkt läuft man fast wie in Trance", erzählt der 42-Jährige. Vom Start weg setzte er sich immer nur Teilziele. Die ersten Stunden mit elf Stundenkilometer laufen. Die 100-Kilometer-Marke schaffen. Die 150 Kilometer. Motivierend war die Anfeuerung durch Freunde – und der Blick auf der Anzeigentafel. Das Starterfeld war international und hochkarätig. Nationalmannschaftsläufer waren dabei, hat doch der Lauf einen renommierten Ruf. Doch nicht alle hatten einen so guten Tag wie Horschig. Er lief und lief und lief – und am Ende allen davon. Erster in der Herren-Hauptklasse (bis 49 Jahre). "Ein wenig Glück war auch dabei", sagt Horschig. Entscheidend aber sei die Einstellung. "Wenn man etwas will und sich richtig darauf vorbereitet, kann man alles schaffen." Das gelte nicht nur im Sport. Hier allerdings will Horschig bald erneut für Furore sorgen. Als nächstes steht der Swiss-Jura-Marathon an. 350 Kilometer. Richtig hart aber ist die nächste Hürde: der Mont Blanc Ultramarathon. 165 Kilometer, 10 000 Höhenmeter. Genau das Richtige eben für jemand mit hohen Zielen.